Gefühle benennen Kinder: Schritt für Schritt

Dein Kind liegt auf dem Boden, schreit, tritt, und du weißt nicht, wie du helfen sollst. In diesem Moment braucht es mehr als „Beruhig dich“ oder „Ist doch nicht so schlimm“. Was es wirklich braucht, ist jemanden, der das Gefühl sieht, benennt und hält. Gefühle benennen bei Kindern hilft nicht nur dabei, dass sie sich verstanden fühlen, sondern verändert buchstäblich, was im Nervensystem passiert. Als staatlich anerkannte Erzieherin, zertifizierter Flümer® Coach und Begleiterin für Familien erlebe ich täglich, wie viel sich im Familienalltag verändert, wenn Eltern lernen, Gefühle zu benennen. In diesem Artikel zeige ich dir, warum ein Name für ein Gefühl so viel Kraft hat, wie die Flümer®-Methode große Gefühle greifbar macht und wie ätherische Öle als sanfter Duft-Anker das alles unterstützen können.

Gefühle benennen Kinder: Mutter kniet neben kleinem Kind auf Holzboden
Wenn Erwachsene Gefühle benennen, fühlen Kinder sich gesehen und sicher.

Hinweis: Dieser Artikel dient zur allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche, therapeutische oder heilpraktische Beratung. Die Flümer®-Arbeit ist Selbsterfahrung und Hilfe zur Selbsthilfe, keine Therapie oder Heilbehandlung. Bei gesundheitlichen Fragen wende dich bitte an eine Fachperson.

Warum große Gefühle für Kinder so überwältigend sind

Wer selbst schon an der Grenze stand, weiß: In solchen Momenten helfen keine Erklärungen. Für ein kleines Kind, das einen Wutanfall oder einen Angstmoment erlebt, ist das noch intensiver. Der präfrontale Kortex, also der Teil des Gehirns, der Gefühle einordnet und reguliert, ist bei Kindern bis weit ins Erwachsenenalter hinein noch nicht vollständig ausgereift. Das ist keine Erziehungsfrage, das ist Neurobiologie.

Kinder zeigen Gefühle wie Freude, Angst oder Unsicherheit schon lange, bevor sie Worte dafür haben. Laut Forschungsdaten der Universität Erfurt tauchen erste Wörter für innere Zustände wie „traurig“ oder „Angst“ erst ab etwa eineinhalb Jahren im Wortschatz auf, und ihr Anteil bleibt zunächst gering. Das bedeutet: Ein Kind erlebt Monate oder sogar Jahre lang intensive Gefühle völlig ohne Sprache dafür. Diese Gefühle haben keine Form, keinen Namen, keine Grenze. Sie sind einfach riesig und irgendwie bedrohlich. Genau deshalb ist es so wichtig, Gefühle benennen mit Kindern zu üben, und zwar so früh wie möglich. Wer Kindern dabei hilft, Gefühle zu benennen, gibt ihnen Sprache für etwas, das sie sonst nur körperlich erleben können.

Was passiert dann? Das Nervensystem springt in den Alarmmodus. Wut wird zum Ausrasten, Angst zum Klammern, Frust zum Werfen. Das Kind reagiert aus dem Körper heraus, weil es keinen anderen Weg kennt. Es ist nicht böse und provoziert dich nicht absichtlich. Sein System ist schlicht überflutet. Mehr dazu, wie Gefühlsausbrüche wirklich entstehen, findest du in meinem Artikel Gefühlsausbrüche verstehen.

Gefühl oder Emotion: wo ist der Unterschied?

Im Alltag werfen wir beide Wörter gern in einen Topf, doch sie meinen nicht dasselbe, und dieser feine Unterschied hilft dir beim Begleiten. Ein Gefühl ist angeboren und körpernah: die direkte Wahrnehmung von wohl oder unwohl, ganz ohne Geschichte dahinter. Freude, Wut, Angst, Traurigkeit, das sind primäre Gefühle. Eine Emotion entsteht erst, wenn sich so ein Gefühl mit einer konkreten Erfahrung verknüpft und sich einprägt. Wird dieses Gefühl in Sicherheit durchgefühlt, darf es wieder gehen. Wird es immer wieder weggedrückt, setzt es sich im Körper fest und taucht später als Stress, Anspannung oder vermeintliche Charaktereigenschaft wieder auf („ich bin halt schüchtern“ oder „ich bin eben schnell reizbar“).

Wenn ich hier vom Gefühle benennen mit Kindern spreche, meine ich genau diese primären, körpernahen Regungen. Sie zu sehen und zu begleiten, solange sie noch frisch sind, ist der beste Schutz davor, dass aus einem Gefühl eine festgesetzte Emotion wird. Genau hier setzt die emotionale Entwicklung von Kindern an: nicht beim Wegmachen, sondern beim Durchfühlen in Sicherheit.

Es gibt keine „negativen“ Gefühle, nur angenehme und unangenehme

Unsere Gesellschaft hat gelernt, Wut, Angst oder Traurigkeit als negativ abzustempeln. Doch das sind sie nicht. Sie sind genauso wichtig und richtig wie Freude oder Mut. Jedes Gefühl ist ein Teil von uns, der uns etwas sagen und uns beschützen will. Deshalb sprechen wir lieber nicht von guten und schlechten Gefühlen, sondern von angenehmen und unangenehmen. Die Wut will dich nicht ärgern, sie will deine Grenze schützen. Die Angst will dich nicht klein machen, sie will dich sicher halten. Wenn dein Kind das verinnerlicht, wächst es mit der Gewissheit auf: Alles, was ich fühle, darf da sein, und ich muss keinen Teil von mir verstecken.

Gefühle benennen Kinder: warum ein Name die Wut kleiner macht

Kinderhände halten eine Gefühlskarte mit wütendem Gesicht
Gefühlskarten machen abstrakte Gefühle für Kinder greifbar und benennbar.

Es gibt ein Phänomen in der Neurowissenschaft, das sich „Affektlabeling“ nennt: Wenn wir einem Gefühl einen Namen geben, sinkt die Aktivität in der Amygdala, dem Alarmzentrum des Gehirns. Vereinfacht gesagt: Benennen beruhigt. Das gilt für Erwachsene, und es gilt für Kinder. Wenn du regelmäßig Gefühle benennen mit Kindern übst, trainierst du genau diesen neurobiologischen Mechanismus.

Wenn du zu deinem Kind sagst: „Ich sehe, du bist gerade richtig wütend“, passiert etwas Wichtiges. Das Kind fühlt sich gesehen. Das Gefühl bekommt eine Grenze, einen Rand. Es ist nicht mehr eine grenzenlose, formlose Bedrohung, sondern etwas mit einem Namen. Und was einen Namen hat, kann man halten. Was man halten kann, macht weniger Angst. Deshalb ist das Gefühle benennen bei Kindern kein pädagogisches Extra, sondern eine neurobiologische Notwendigkeit.

Wie dieselbe Forschung der Universität Erfurt zeigt, nimmt das Gefühlsvokabular von Kindern zwischen dem dritten und fünften Lebensjahr sprunghaft zu und verdoppelt sich bis zum elften Lebensjahr etwa alle zwei Jahre. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis von alltäglicher Begleitung durch Bezugspersonen. Du bist also nicht nur Trostspenderin, du bist Sprachlehrerin für innere Welten. Jedes Mal, wenn du Gefühle benennen für Kinder zur täglichen Gewohnheit machst, baust du deren Gefühlswortschatz aktiv auf.

Die Botschaft ist klar: Gefühle benennen ist kein nettes Ergänzungswerkzeug. Es ist zentral für die emotionale Entwicklung von Kindern und für ihre Fähigkeit, sich selbst zu regulieren. Und es ist lernbar, für Kinder und für dich als Begleitperson. Wer Kindern beibringt, Gefühle auszudrücken, gibt ihnen ein Werkzeug fürs Leben. Den Gefühlswortschatz von Kindern zu fördern bedeutet gleichzeitig, ihre Selbstregulation zu stärken.

Statt „Beruhig dich jetzt“ lieber: „Ich sehe deine Wut. Die ist gerade riesengroß.“ Dieser eine Satz kann eine eskalierende Situation drehen, weil er Verbindung statt Widerstand schafft.

Die Flümer®-Methode: wenn Gefühle Namen und Gesichter bekommen

Die Flümer®-Methode wurde von Nadine Dzolic entwickelt, und ich arbeite als von ihr zertifizierter Flümer® Coach damit. Sie ist ein liebevoller, pädagogischer Ansatz, bei dem Gefühle zu kleinen Wesen werden: den Flümern. Jeder Flümer verkörpert ein Gefühl, hat einen Namen, eine Farbe und einen Ort im Körper, an dem er sich zeigt. Sie wohnen an einem inneren Ort mitten im Herzen, der Zentrale, und gehen „im Körper unterwegs“, wenn ihr Gefühl gerade wach ist. Werden sie gesehen, dürfen sie wieder in die Zentrale zurückkehren, und das Gefühl löst sich, statt sich festzusetzen.

Ein paar von ihnen wirst du schnell ins Herz schließen: Wilbert ist die Wut, er ist rot und meldet sich in den Händen, die am liebsten auf etwas hauen würden. Albert ist die Angst, grün, mit den Armen vor dem Bauch; er sitzt in den Beinen, die wegrennen möchten, und will dich eigentlich nur beschützen. Frida ist die Freude, gelb, sie kribbelt im Oberbauch wie Brausepulver. Theodor ist die Traurigkeit; er legt sich wie ein Stein in den Hals, und wenn die Tränen fließen dürfen, findet er seinen Weg nach Hause. Über allem wacht Siela, der Seelenflümer, der in der Zentrale wohnt und immer weiß, wie es dir gerade geht.

Was macht diesen Ansatz so wirksam? Er macht das Unsichtbare sichtbar. Ein Gefühl ist für ein kleines Kind etwas Abstraktes, das von innen kommt und es manchmal zu überrennen scheint. Wenn dieses Gefühl aber ein Gesicht hat, eine Figur ist, die sogar einen Namen hat, verändert sich die Beziehung des Kindes zu ihm. Es ist nicht mehr das Kind, das „falsch“ ist oder „sich schlecht benimmt“. Es ist Wilbert, der heute besonders laut ist. Diese Verschiebung unterstützt die emotionale Entwicklung von Kindern auf spielerische, nachhaltige Weise, weil sie Gefühle benennen zu etwas Greifbarem und Sicherem macht.

Gefühle als Figuren: ein sprachlicher Schutzraum

Diese Externalisierung ist ein pädagogisch wertvolles Prinzip: Das Kind ist nicht sein Gefühl. Das Kind hat ein Gefühl. Dieser Unterschied klingt klein, ist aber riesig für das Selbstbild. Ein Kind, das lernt, seine Gefühle als etwas zu betrachten, das es beobachten und sogar benennen kann, entwickelt eine ganz andere Art von innerem Abstand. Es muss nicht mehr mit dem Gefühl verschmelzen, es kann mit ihm in Kontakt treten. Das ist der Kern von Gefühle benennen bei Kindern: nicht Unterdrücken, sondern Kontakt herstellen. Gefühle ausdrücken lernen Kinder durch genau diese spielerische Distanz.

In der Praxis kannst du die Flümer ganz einfach einführen. Du malst zusammen mit deinem Kind kleine Figuren für verschiedene Gefühle, gebt ihnen einen Namen und besprecht: Wie sieht Wilbert aus, wenn er wach wird? Was macht Albert, wenn er kommt? Und was braucht Theodor, damit er seinen Weg zurück in die Zentrale findet? Diese Gespräche finden in ruhigen Momenten statt, nicht mitten im Sturm. So hat dein Kind im Moment des Ausbruchs schon eine gemeinsame Sprache mit dir. Den Gefühlswortschatz von Kindern zu fördern funktioniert über genau diese Art von spielerischen Vorab-Gesprächen.

Warum früh anfangen sich lohnt: ein Blick in mein Zuhause

Ein kurzer, ehrlicher Einblick aus meinem eigenen Familienalltag: Mein Sohn ist mit den Flümern aufgewachsen, von Anfang an. Heute, mit zwei Jahren, sagt er schon ganz selbstverständlich, wenn Wilbert bei ihm wach ist, wenn Theodor einen Stein in seinen Hals legt oder wenn Albert ihn beschützen möchte. Er kann seine Flümer benennen und beginnt sogar, sie zu begleiten, in einem Alter, in dem viele Kinder noch gar keine Worte für ihr Inneres haben.

Für mich ist das der schönste Beweis, wie wertvoll es ist, Kinder genau dann zu begleiten, wenn sie gerade erst entdecken, was da alles in ihnen wohnt. Du musst nicht warten, bis dein Kind „alt genug“ ist, um über Gefühle zu sprechen. Im Gegenteil: Je früher die Flümer ein vertrautes Gegenüber werden, desto natürlicher wächst dein Kind mit der Fähigkeit auf, Gefühle zu benennen und sich selbst zu begleiten.

Flümer im Alltag: wann und wie du sie einführst

Der beste Zeitpunkt, um die Flümer einzuführen, ist ein ruhiger, verbundener Abend. Vielleicht nach dem Bad, beim Kuscheln vor dem Schlafen. Du kannst ein Büchlein mit leeren Seiten nehmen und zusammen die erste Figur zeichnen. „Welches Gefühl kennen wir schon? Was ist Freude? Wie sieht Frida wohl aus?“ Lass dein Kind führen. Je mehr es selbst gestaltet, desto mehr gehört es ihm. Kinder, die aktiv mitgestalten, verinnerlichen das Gefühle benennen schneller und nachhaltiger. Das fördert den Gefühlswortschatz von Kindern ganz organisch, ohne dass du ein extra Programm brauchst.

Wichtig: Fang nicht mit Wilbert an, wenn dein Kind gerade schwierige Phasen mit Wutausbrüchen hat. Fang mit einem angenehmen Gefühl an, zum Beispiel Frida, der Freude, oder Haro, dem Stolz. So ist die Methode von Anfang an mit etwas Warmem verbunden, und das Gespräch über Wilbert später fühlt sich weniger bedrohlich an.

Der Flümer-Ansatz lässt sich wunderbar mit Bilderbüchern kombinieren, die Gefühle zeigen. Wenn ein Charakter im Buch etwas erlebt, kannst du fragen: „Welcher Flümer ist da wohl gerade wach?“ Das übt Gefühle erkennen bei Kindern auf spielerische Weise, fördert den Gefühlswortschatz von Kindern ganz nebenbei und erzeugt keinerlei Druck. Gleichzeitig lernen Kinder, Gefühle auszudrücken, weil sie erleben, dass Gefühle benennbar und in Ordnung sind.

Nervensystem und Alltag: Gefühle benennen Kinder Schritt für Schritt

Erwachsene und Kind stehen gemeinsam vor kleinen Glasfläschchen auf Holzregal
Kleine Rituale im Alltag helfen Kindern, Gefühle Schritt für Schritt einzuordnen.

Wenn dein Kind in einem Gefühlssturm ist, ist sein Nervensystem im Alarm. Der Körper hat auf „Gefahr“ geschaltet: Herzschlag schneller, Muskeln angespannt, Atmung flach. In diesem Zustand ist der denkende Teil des Gehirns kaum erreichbar. Erklärungen, Bitten, Logik: das alles verpufft. Deshalb hilft „Hör auf zu weinen“ nicht. Es ist, als würdest du jemandem zurufen, er soll aufhören zu husten, während er hustet.

Was aber tatsächlich hilft: Co-Regulation. Das bedeutet, dein reguliertes Nervensystem wirkt auf das Nervensystem deines Kindes. Du gehst runter, dein Kind kann mitgehen. Deine ruhige Stimme, dein ruhiger Atem, deine ruhige Körperhaltung sind biologische Signale für dein Kind: „Es ist sicher. Der Sturm geht vorbei.“ Und genau in diesem Moment ist das aktive Gefühle benennen bei Kindern der Schlüssel, der den Übergang vom Alarm zur Ruhe einleitet.

Wenn du sagst: „Du bist wütend, Wilbert ist gerade bei dir wach. Das ist okay. Ich bin hier.“ aktivierst du etwas in deinem eigenen System, das dich verlangsamt. Du gehst aus dem Reaktions-Modus in den Beziehungs-Modus. Und gleichzeitig gibst du dem Gehirn deines Kindes einen verbalen Anker, der die Amygdala-Aktivität tatsächlich senkt, wie das Affektlabeling zeigt. Gefühle benennen bei Kindern wirkt also sowohl auf das Kind als auch auf dich als Begleitperson regulierend.

Der Körper spielt dabei eine entscheidende Rolle. Kinder, die lernen, Gefühle im Körper zu spüren und zu benennen, zum Beispiel „Ich hab Kribbeln im Bauch“ für Aufregung oder „Meine Hände werden ganz heiß“ für Wut, entwickeln ein viel feineres Frühwarnsystem. Sie merken früher, wenn ein Gefühl ansteigt, und haben damit mehr Zeit zu reagieren, bevor die Welle sie überrollt. Diese körperorientierten Übungen sind ein wichtiger Baustein jeder Begleitung und unterstützen die gesamte emotionale Entwicklung von Kindern langfristig. Wenn Kinder lernen, Gefühle auszudrücken, bevor sie überwältigt werden, verändert das den gesamten Umgang mit Konflikten im Alltag.

Frag dein Kind nicht „Was hast du gefühlt?“, sondern „Wo in deinem Körper hast du das gespürt?“ Das öffnet eine andere, tiefere Schicht und trainiert die Körperwahrnehmung als Frühwarnsystem, ganz im Sinne der Flümer, die sich immer an einer bestimmten Körperstelle zeigen.

Schritt 1: Gefühle in ruhigen Momenten benennen

Warte nicht, bis der Sturm da ist. Nutze die leisen Momente. Beim Abendbrot: „Ich bin heute etwas müde und ein bisschen gereizt. Merkst du das manchmal auch bei dir?“ Beim Vorlesen: „Wie geht es der Figur wohl gerade? Welcher Flümer ist da wach?“ Beim Einschlafen: „Was war heute dein schönstes Gefühl? Und gab es auch ein unangenehmes?“ Diese kleinen Check-ins bauen einen Gefühlswortschatz auf, langsam, sicher und ohne Druck. Wenn du so regelmäßig Gefühle benennen mit Kindern übst, förderst du damit den Gefühlswortschatz deiner Kinder ganz natürlich im Alltag, ohne extra Zeit oder Programm.

Ab wann können Kinder ihre Gefühle benennen? Laut aktueller Sprachforschung beginnt das ab etwa eineinhalb Jahren mit einfachen Wörtern. Zwischen drei und fünf Jahren nimmt der Gefühlswortschatz sprunghaft zu. Du kannst also schon mit Kleinkindern üben, einfach mit sehr konkreten, körpernahen Wörtern: „Du weinst. Du bist traurig.“ oder „Du lachst so laut. Du bist so froh.“ Gefühle ausdrücken lernen Kinder dadurch schrittweise, weil sie erleben, dass du ihre innere Welt siehst und in Worte kleidest. Jedes Mal, wenn du Gefühle benennen für Kinder in den Alltag einwebst, stärkt das die emotionale Entwicklung von Kindern nachhaltig.

Schritt 2: Spiegeln ohne zu bewerten

Wenn dein Kind ein Gefühl zeigt, spiegle es zuerst, bevor du etwas tust. Das klingt so: „Du bist gerade richtig wütend, weil du nicht aufhören wolltest zu spielen.“ Nicht: „Jetzt übertreibst du aber.“ Nicht: „Das ist doch kein Grund zum Weinen.“ Alle Gefühle sind erlaubt, das ist ein zentrales Prinzip in der Begleitung von Kindern. Was Grenzen braucht, ist das Verhalten, nicht das Gefühl. Wer Kindern Gefühle benennen beibringt, ohne sie gleichzeitig zu bewerten, schafft genau diese sichere Basis für die emotionale Entwicklung von Kindern.

Wenn dein Kind das Spiegeln kennt, wird es anfangen, es selbst zu nutzen. Es kommt zu dir und sagt: „Ich bin so wütend.“ Statt zu schreien. Das ist ein riesiger Schritt in der emotionalen Entwicklung von Kindern, und ein Zeichen, dass das Gefühle benennen im Alltag wirkt. Unangenehme Gefühle ohne Beschämung zu begleiten ist dabei der Schlüssel: Kein „Sei nicht so empfindlich“, kein „Jetzt lach doch mal.“ Nur: Sehen, benennen, halten. Genau das ist Gefühle benennen bei Kindern in seiner einfachsten und wirksamsten Form.

Mehr über das, was hinter kindlichen Reaktionen wirklich steckt, erkläre ich auch in meiner Podcast-Folge Dein Kind provoziert dich nicht.

Spiele zum Gefühle benennen im Kindergarten und zuhause eignen sich ebenfalls wunderbar: Gefühle pantomimisch darstellen und erraten, Bildkarten sortieren, Gefühlscollagen gestalten oder eine gemeinsame Gefühlsuhr basteln. All das übt Gefühle erkennen bei Kindern auf spielerische, angstfreie Weise, fördert den Gefühlswortschatz von Kindern nachhaltig und hilft Kindern dabei, Gefühle auszudrücken, ohne Druck oder Bewertung.

Ätherische Öle als Duft-Anker: Gefühle benennen Kinder mit allen Sinnen

Unser Geruchssinn hat einen direkten Draht zum limbischen System, dem Gefühlszentrum des Gehirns. Keine andere Sinneswahrnehmung erreicht das Gehirn so schnell und so unmittelbar wie ein Duft. Das macht ätherische Öle zu einem einzigartigen Werkzeug, wenn es darum geht, Gefühle benennen für Kinder erlebbar und körperlich verankerbar zu machen. Nicht als medizinische Lösung, sondern als sensorischer Anker im Rahmen von Selbstfürsorge und Wohlbefinden.

Die Idee des Duft-Ankers funktioniert so: Du verbindest ein bestimmtes Öl bewusst und regelmäßig mit einem bestimmten Gefühl oder einem Ritual. Über Wiederholung entsteht eine Verknüpfung im Nervensystem. Der Duft allein kann dann das zugehörige Gefühl von Sicherheit, Ruhe oder Mut abrufen, auch in stressigen Momenten. Schön lässt sich das mit den Flümern verbinden: ein ruhiger Lavendelduft, der Albert (die Angst) begleitet, oder ein warmer Mandarinenduft, der Frida (die Freude) einlädt. So ergänzt der Duft-Anker das Gefühle benennen bei Kindern auf einer körperlichen Ebene, die Sprache allein nicht erreicht.

Für Kinder eignen sich besonders sanfte, klare Düfte, die sie selbst als angenehm erleben. Wichtig dabei: Kinder dürfen mitentscheiden, welcher Duft sich für sie nach welchem Gefühl anfühlt. Das stärkt die Eigenwahrnehmung und gibt ihnen Kontrolle über ihr eigenes Regulationserleben. Ein paar Ideen für kindgerechte, milde Verknüpfungen:

  • Lavendel oder römische Kamille als Anker für Ruhe und Sicherheit, zum Beispiel vor dem Schlafen oder nachdem Wilbert oder Albert wach waren.
  • Mandarine oder süße Orange als Anker für Freude und Leichtigkeit, zum Beispiel beim Morgenritual oder nach der Kita.
  • Zitrone (mild und gut verdünnt) als Anker für Frische und gute Laune, zum Beispiel beim gemeinsamen Aufräumen.
  • Weihrauch oder Sandelholz als Anker für Verbindung und Geborgenheit, zum Beispiel beim Kuscheln oder Vorlesen.

Bitte beachte: Ätherische Öle für Kinder immer gut verdünnt und altersgerecht verwenden. Manche Öle, etwa Pfefferminze und Eukalyptus, sind für kleine Atemwege zu kräftig und gehören (noch) nicht ins Kinderzimmer. Nicht auf empfindliche Hautstellen, nicht in die Augen, und bei kleinen Kindern am besten als Raumduft oder mit einem Erwachsenen begleitet. Bei Kindern mit empfindlicher Haut oder Atemwegsproblemen empfehle ich vorab das Gespräch mit einer Fachperson aus dem Gesundheitsbereich. Das sind keine medizinischen Mittel und keine Behandlung, sondern unterstützende Sinnesrituale für Gefühlsmomente. Wie du Öle bei Kindern sicher dosierst und aufbewahrst, liest du in meinem Beitrag Ätherische Öle für Kinder sicher anwenden. Mehr zur Begleitung von Gefühlen mit ätherischen Ölen findest du außerdem im Artikel Gefühle begleiten mit ätherischen Ölen.

Ein kleines Flümer-Ritual mit Öl für zuhause

Wenn Co-Regulation und Benennen Hand in Hand gehen, entsteht der fruchtbarste Boden für emotionales Wachstum. Rituale verstärken diesen Effekt, weil sie dem Nervensystem Vorhersagbarkeit geben, und Vorhersagbarkeit ist Sicherheit. Besonders in aufgeladenen Familienphasen, morgens vor der Kita, abends beim Einschlafen, nach einem langen Tag, kann ein kleines, verlässliches Ritual viel bewegen. Und es ist gleichzeitig eine der einfachsten Methoden, um Gefühle benennen für Kinder zur täglichen Gewohnheit zu machen.

Hier ist ein einfaches Flümer-Ritual, das du heute Abend starten könntest:

Das Abendritual „Wie war dein Flümer heute?“

  1. Ankommen: Ihr setzt euch zusammen, vielleicht auf die Bettkante oder ein Kissen. Du gibst einen Tropfen des vereinbarten „Abend-Öls“ in deine Hände, reibst sie leicht warm und hältst sie vor das Gesicht beider, damit ihr kurz den Duft atmet. Das ist das Signal: „Jetzt ist Flümer-Zeit.“
  2. Fragen: „Welcher Flümer war heute am lautesten bei dir?“ Lass dein Kind erzählen. Keine Bewertung, kein „Aber das war doch gar nicht so schlimm.“ Nur: Zuhören und nicken.
  3. Spiegeln: „Du warst also heute richtig wütend, Wilbert war bei dir wach, weil der andere dein Lego weggenommen hat. Das ist verständlich.“ Ein Satz reicht, und er macht das Gefühle benennen für dein Kind zur selbstverständlichen Alltagssprache.
  4. Körper einladen: „Wo im Körper hast du Wilbert gespürt? In den Händen?“ Das Kind zeigt es vielleicht. Wenn nicht, ist das auch okay.
  5. Nach Hause begleiten: Der Flümer muss nicht weg, er gehört zu euch. Schaut gemeinsam nach: Sitzt er noch an der Stelle, an der er sich heute gezeigt hat? Und möchte er vielleicht zurück in die Zentrale begleitet werden, in euer Herz, wo die Flümer zuhause sind? Eine Hand aufs Herz, ein paar ruhige Atemzüge, und das Öl ist der sanfte Anker für diesen Übergang, vom Erleben zurück in die Ruhe.

Dieses Ritual dauert fünf bis zehn Minuten. Es baut über Wochen und Monate einen gemeinsamen Gefühlswortschatz auf, stärkt eure Verbindung und gibt deinem Kind ein verlässliches Gefühl: „Meine Flümer dürfen alle da sein. Mama hält das aus.“ Das ist Gefühle benennen bei Kindern in seiner einfachsten und wirksamsten Form: täglich, körpernah, in Verbindung. Mehr Impulse zu Ritualen mit ätherischen Ölen findest du auch in meinem Artikel Rituale mit ätherischen Ölen.

Deine Flümer-Begleitung für zuhause: Box, Minikurs und Fibel

Kleiner Hinweis: Diese Flümer-Angebote entstehen gerade und sind bald hier verfügbar. Wenn du sie nicht verpassen möchtest, schreib mir gern eine Nachricht, dann sage ich dir Bescheid, sobald sie online sind.

Wenn du die Flümer in deine Familie holen möchtest, musst du nicht bei null anfangen. Ich stelle dir gerade ein paar Werkzeuge zusammen, die dir den Einstieg leicht machen:

  • Die Flümerbox (bald verfügbar): Materialien zum Herunterladen, mit denen du die Flümer Schritt für Schritt in euren Familienalltag einführst, Figuren zum Kennenlernen, Impulse und kleine Rituale für den Anfang.
  • Der Minikurs „Flümerreise in die Familie“ (bald verfügbar): In kurzen, alltagstauglichen Lektionen erkläre ich dir als Eltern die Flümer und gebe dir Tipps und Tricks, wie du sie im echten Alltag nutzt, morgens vor der Kita genauso wie abends im Sturm.
  • Die große Flümer®-Fibel (Link folgt in Kürze): Das liebevoll illustrierte Original von Nadine Dzolic, mit dem ihr alle Flümer in Ruhe kennenlernt.

Und weil Duft und Gefühl so wunderbar zusammenspielen, kommt bald das Flümer Öl-Bundle (bald verfügbar): die doTERRA Kids Collection und das Mood Management Kit als sanfte Duft-Anker für die Flümer deiner Familie. Als doTERRA Wellness-Partnerin empfehle ich diese Produkte aus eigener Überzeugung; die Links führen dann in meinen eigenen Shop. Wenn du dieses Set bestellst, bekommst du den Minikurs „Flümerreise in die Familie“ für 0 € dazu.

Als von Nadine Dzolic zertifizierter Flümer® Coach darf ich Fortbildungen zur Methode für Familien und Fachpersonal anbieten und Flümer-Prozesse begleiten. Die Flümerarbeit ist Selbsterfahrung und Hilfe zur Selbsthilfe, keine Therapie oder medizinische Behandlung.

Zuerst bei dir: deine eigene Regulation ist die Basis

Ich will hier ehrlich sein: Das alles, das Benennen, das Spiegeln, das Flümer-Gespräch, das Öl-Ritual, funktioniert nur, wenn du selbst halbwegs reguliert bist. Und das ist der schwierigste Teil. Nicht, weil du etwas falsch machst, sondern weil dein Nervensystem unter Dauerstress steht. Kind, Haushalt, Arbeit, Beziehung: alle wollen etwas. Dein System ist oft schon voll, bevor der Morgen richtig beginnt. Du kannst Kindern Gefühle benennen beibringen, aber du brauchst zuerst selbst einen Boden, von dem aus du das tun kannst.

Co-Regulation bei Kindern beginnt bei dir. Dein Nervensystem ist das Vorbild. Nicht im Sinne von Perfektion, sondern im Sinne von: Du kannst lernen, früher zu merken, wenn du selbst kippst. Den Druck im Kiefer. Die Enge im Brustkorb. Das innere „Zu voll“. Das sind deine Frühwarnzeichen, dein eigener Wilbert, dein eigener Albert. Und genau dort kannst du einsetzen: einen Atemzug lang innehalten, bevor du antwortest.

Ein Moment des bewussten Atmens, bevor du auf deinen tobenden Dreijährigen reagierst, ist keine Schwäche. Es ist Führung. Nicht Perfektion, sondern Präsenz. Wenn du trotzdem laut wirst, wenn du selbst überwältigt bist: Das gehört dazu. Reparatur ist Stärke. Du gehst danach zu deinem Kind und sagst: „Ich war gerade selbst sehr aufgewühlt. Tut mir leid.“ Das ist kein Kontrollverlust, das ist menschliche Verbindung.

Für deine eigene Regulationsarbeit empfehle ich dir die Herzatmung mit Selbstmitgefühl, eine kurze Übung, die du überall einsetzen kannst. Auch die Übung zur Wut im Körper wahrnehmen hilft dir, deine eigenen Frühwarnzeichen besser zu kennen, und damit früher handlungsfähig zu bleiben. Wie du als Erwachsene selbst mit den Flümern arbeitest, zeige ich dir bald in einem eigenen Beitrag.

Und wenn du spürst, dass du abends zu aufgedreht bist, um wirklich anzukommen, schau dir auch die 4-7-8-Atemtechnik zum Einschlafen an. Dein Schlaf ist keine Nebensache: Ein regulierter Körper am nächsten Morgen ist die beste Vorbereitung für ein reguliertes Miteinander mit deinem Kind, und für den nächsten Moment, in dem du Gefühle benennen mit deinen Kindern übst.

Denk daran: Du musst nicht perfekt sein. Du musst einfach öfter bei dir bleiben als nicht. Das reicht.

Ab wann können Kinder ihre Gefühle benennen?

Erste Wörter für innere Zustände wie „traurig“ oder „Angst“ tauchen laut aktueller Sprachforschung der Universität Erfurt ab etwa eineinhalb Jahren auf, bleiben aber noch selten. Zwischen dem dritten und fünften Lebensjahr wächst der Gefühlswortschatz dann sprunghaft. Das bedeutet: Du kannst schon mit Kleinkindern beginnen, Gefühle zu benennen, einfach mit sehr konkreten, körpernahen Wörtern wie „Du weinst, du bist traurig.“ Die Fähigkeit, Gefühle benennen bei Kindern differenzierter zu üben, entwickelt sich über viele Jahre durch tägliche Begleitung und unterstützt die gesamte emotionale Entwicklung von Kindern nachhaltig.

Mein Kind kann seine Gefühle nicht benennen. Was kann ich tun?

Zuerst: Das ist häufig und normal, kein Zeichen für ein „Problemkind“. Kinder brauchen ein Sprachmodell: Sie lernen Gefühle benennen, weil jemand ihnen die Wörter im Alltag immer wieder anbietet, ohne Druck. Benenne deine eigenen Gefühle laut: „Ich bin gerade etwas ungeduldig.“ Benenne die Gefühle deines Kindes: „Du bist enttäuscht, weil das nicht geklappt hat.“ Hilfreich sind auch die Flümer, kleine Figuren, die jeweils ein Gefühl verkörpern, weil sie das Benennen spielerisch und greifbar machen. Und gib deinem Kind Zeit. Kein Gefühlswortschatz entsteht auf Kommando, er wächst durch Wiederholung und Sicherheit.

Wie begleite ich unangenehme Gefühle meines Kindes, ohne sie zu verharmlosen?

Indem du das Gefühl anerkennst, bevor du etwas tust. „Ich sehe, du bist wütend. Das macht Sinn.“ Das ist keine Verstärkung des Verhaltens, das ist Anerkennung des Erlebens. Danach kommt, wenn nötig, die Grenze für das Verhalten: „Hauen darf trotzdem nicht sein.“ In der Flümer-Sprache gibt es keine negativen Gefühle, nur angenehme und unangenehme. Jedes Gefühl darf da sein, weil es dich schützen oder dir etwas sagen will, nicht jede Verhaltensweise muss toleriert werden. So bleibst du klar und warm zugleich, ohne dein Kind zu beschämen.

Sind ätherische Öle für Kinder sicher, wenn es um Gefühle geht?

Ätherische Öle können als sensorischer Anker im Rahmen von Wohlbefinden und Selbstfürsorge eingesetzt werden, wenn du sie altersgerecht und gut verdünnt verwendest. Für kleine Kinder empfiehlt sich primär der Einsatz als Raumduft, zum Beispiel mit einem Diffusor im Kinderzimmer, oder in sehr niedriger Konzentration auf der Haut mit einem Trägeröl. Milde Öle wie Lavendel, römische Kamille oder Mandarine eignen sich gut; Pfefferminze und Eukalyptus sind für kleine Atemwege dagegen zu kräftig. Bei Kindern mit empfindlicher Haut oder Atemwegsproblemen empfehle ich vorab das Gespräch mit einer Fachperson aus dem Gesundheitsbereich. Kinder sollten nicht unbeaufsichtigt mit ätherischen Ölen hantieren. Das sind keine medizinischen Mittel und keine Behandlung, sondern unterstützende Sinnesrituale für Gefühlsmomente.

Gefühle benennen bei Kindern ist kein einmaliges Projekt, das du abhakst. Es ist eine Haltung, die du täglich ein kleines Stück mehr lebst. Jeder Moment, in dem du das Gefühl deines Kindes siehst und beim Namen nennst, ist ein Moment, der zählt. Das fördert den Gefühlswortschatz deiner Kinder nachhaltig und stärkt gleichzeitig eure Verbindung. Nicht perfekt, aber beständig. Reparatur ist Stärke. Verbindung ist das Ziel. Und du lernst das in deinem Tempo.

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